Prüfungsfragen zu Physiologie
Die Physiologie erklärt die Funktionsweise des orofazialen Systems und bildet damit die Grundlage für das klinische Verständnis von Schmerz, Speichelsekretion, Kauen und Schlucken. Diese Fragensammlung behandelt die für die zahnärztliche Praxis relevante allgemeine Physiologie, Knochenphysiologie, Mastikation und neuromuskuläre Kontrolle, Schluckphysiologie, Schmerzphysiologie, Propriozeption des Parodontalligaments, Speichelphysiologie, Geschmacksphysiologie und Biomechanik des Kiefergelenks. Zahnmedizinstudierende begegnen diesen Themen in vorklinischen Lehrveranstaltungen. Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich auf INBDE, AFK und ORE vorbereiten, müssen die zugrunde liegenden physiologischen Mechanismen verstehen, um klinische Befunde wie Xerostomie, Geschmacksstörungen oder von anderen Körperregionen übertragene Schmerzen erklären zu können.
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Die Fragen wurden aus dem Englischen übersetzt. Die Prüfungen selbst werden in englischer Sprache durchgeführt.
Prüfungsfragen
Frage 1 von 10
Propriozeption des Parodontalligaments
Mechanorezeptoren des Parodontalligaments kodieren die Richtung und Stärke einer auf einen Zahn einwirkenden Kraft. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist A.
Die richtige Antwort ist A. Die Kraft- und Richtungserfassung durch das Parodontalligament ist korrekt. Die Afferenzen des Parodontalligaments reagieren auf die mechanische Dehnung, die durch die Verlagerung des Zahns innerhalb seiner Alveole entsteht, und liefern räumliche Informationen über die okklusale Belastung. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene.
Frage 2 von 10
Speichelphysiologie
Die Bicarbonatkonzentration im Speichel steigt mit zunehmender Stimulation der Speichelsekretion und steigender Speichelflussrate an. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist A.
Die richtige Antwort ist A. Der flussratenabhängige Anstieg der Bicarbonatkonzentration ist korrekt. Bei stimulierter Speichelsekretion geben die Ausführungsgänge vermehrt Bicarbonat ab. Dadurch wird die Neutralisation von Säuren verstärkt, insbesondere dann, wenn die Anforderungen an die orale Clearance am größten sind. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene. Diese Kausalkette erklärt den Befund und grenzt ihn gleichzeitig von anderen, damit zusammenhängenden Regulationsmechanismen ab.
Frage 3 von 10
Schmerzphysiologie
Ein anhaltender nozizeptiver Input erhöht die Erregbarkeit und die synaptische Signalverstärkung zentraler nozizeptiver Neurone. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist D.
Die richtige Antwort ist D. Die zentrale Sensibilisierung ist korrekt. Wiederholte nozizeptive Reize können die synaptische Übertragung im Zentralnervensystem verstärken, hemmende Mechanismen abschwächen und normalerweise unterschwellige Reize in die Schmerzverarbeitungsbahnen einbeziehen. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene.
Frage 4 von 10
Biomechanik des Kiefergelenks
Bei der Protrusion bewegen sich beide Kondylus-Diskus-Komplexe entlang der jeweiligen Gelenkhöcker nach anterior und inferior. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist B.
Die richtige Antwort ist B. Die bilaterale Translationsbewegung bei der Protrusion ist korrekt. Eine symmetrische beidseitige Translationsbewegung führt zur Protrusion des Unterkiefers. Eine einseitige Bewegungseinschränkung verursacht hingegen eine asymmetrische Kondylenbewegung und eine Abweichung des Unterkiefers. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene. Diese Kausalkette erklärt den Befund und grenzt ihn gleichzeitig von anderen, damit zusammenhängenden Steuerungsmechanismen ab.
Frage 5 von 10
Mastikation und neuromuskuläre Kontrolle
Ein kurzer, nach unten gerichteter Schlag auf das Kinn dehnt die Kieferschließermuskulatur und löst eine geringfügige Schließbewegung des Unterkiefers aus. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist C.
Die richtige Antwort ist C. Der Reflexbogen des Masseterreflexes (Kieferreflexes) ist korrekt. Der Masseterreflex ist ein Dehnungsreflex: Die rasche Dehnung der Kieferschließermuskulatur aktiviert die Muskelspindelafferenzen und die trigeminalen Motoneurone. Die Mastikation beruht auf einem zentral organisierten Rhythmus, der durch trigeminale sensorische Rückmeldungen kontinuierlich angepasst wird, um die Zähne zu schützen und eine effiziente Verarbeitung des Nahrungsbolus zu koordinieren.
Frage 6 von 10
Knochenphysiologie
Osteoblasten synthetisieren Osteoid und regulieren dessen anschließende Mineralisierung. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist B.
Die richtige Antwort ist B. Die osteoblastäre Knochenbildungsphase ist korrekt. Osteoblasten produzieren kollagenreiches Osteoid, steuern die Reifung der extrazellulären Matrix und fördern die Einlagerung von Mineralstoffen, bevor sie sich zu ruhenden Knochenoberflächenzellen (Bone-Lining-Zellen) oder Osteozyten differenzieren. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene.
Frage 7 von 10
Für die zahnärztliche Praxis relevante allgemeine Physiologie
Dehnungsrezeptoren im Karotissinus und im Aortenbogen puffern rasche Veränderungen des arteriellen Blutdrucks ab. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist A.
Die richtige Antwort ist A. Der arterielle Barorezeptorreflex ist korrekt. Eine verminderte Dehnung der Barorezeptoren reduziert die afferente Impulsfrequenz über den Nervus glossopharyngeus und den Nervus vagus zur Medulla oblongata. Dadurch nimmt die sympathische Aktivität zu, während die parasympathische Aktivität abnimmt. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene.
Frage 8 von 10
Geschmacksphysiologie
Die Wahrnehmung eines salzigen Geschmacks bei niedrigen Salzkonzentrationen beginnt damit, dass Natriumionen über apikale Ionenkanäle in Geschmacksrezeptorzellen einströmen. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist D.
Die richtige Antwort ist D. Der Einstrom von Natriumionen über epitheliale Natriumkanäle bei der Salzgeschmackswahrnehmung ist korrekt. Die Signaltransduktion für den salzigen Geschmack kann durch den direkten Einstrom von Natriumionen erfolgen. Dieser führt zu einer schnelleren Depolarisation der Rezeptorzelle als eine metabotrope Signalkaskade über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR). Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene.
Frage 9 von 10
Deglutition (Schluckvorgang)
Die intrinsische und extrinsische Zungenmuskulatur formt den Nahrungsbolus und transportiert ihn während der oralen Transportphase nach posterior. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist A.
Die richtige Antwort ist A. Der Bolustransport durch die vom Nervus hypoglossus innervierte Zungenmuskulatur ist korrekt. Der Nervus hypoglossus innerviert den Großteil der Zungenmuskulatur, die für die Formung des Nahrungsbolus und dessen Transport nach posterior erforderlich ist. Ein sicherer Schluckvorgang setzt eine präzise zeitliche Koordination zwischen dem Bolustransport, einer vorübergehenden Atemunterbrechung und dem Verschluss der Atemwege während der oralen, pharyngealen und ösophagealen Schluckphase voraus.
Frage 10 von 10
Knochenphysiologie
Ein kurzer Zeitabschnitt verbindet den Abschluss der osteoklastären Knochenresorption mit der Rekrutierung knochenbildender Zellen. Welcher physiologische Vorgang bzw. welche Struktur wird hier beschrieben?
Die richtige Antwort ist C.
Die richtige Antwort ist C. Die Umkehrphase (Reversalphase) des Knochenremodellings ist korrekt. Während der Umkehrphase wird die resorbierte Knochenoberfläche gereinigt und für die anschließende Knochenneubildung vorbereitet. Gleichzeitig bewirken Kopplungssignale die Rekrutierung und Differenzierung von Zellen der osteoblastären Zelllinie. Dies beschreibt den genannten Vorgang auf seiner unmittelbarsten physiologischen Ebene.
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